Dunkle Erde unter den Fingernägeln

und eine große Idee für die Zukunft

Die Demeter-Gärtnerei Piluweri feiert ihr 30-jähriges Bestehen

Hügelheim, der nördlich von Müllheim gelegene Teilort, ist bekannt für seinen Wein. Hügelheim ist aber auch der Ort, an dem ganz besonderes Gemüse wächst. Etwa die vor Ort gezüchtete Tomate Tica und der Blattsalat Forellenschluss.

Angebaut werden diese und rund 70 weitere Sorten von der Demeter-Gärtnerei Piluweri. Mitte der 90er Jahre haben vier Gärtner und Landwirte angefangen, auf einem ehemaligen Maisacker Gemüse anzubauen. Das war ein gutes Stück Pionierarbeit. Der biodynamische Anbau war damals noch lange nicht so verbreitet wie heute. Seitdem ist die Gärtnerei beständig gewachsen. 2003 kam der Lieferservice „Piluweri bringt’s“ hinzu. Heute ist der Betrieb mit knapp 40 Hektar bestelltem Land und rund 90 Mitarbeitenden eine relevante Größe für die regionale Versorgung mit hochwertigem Biogemüse.

Nach 30 Jahren harter Arbeit wollen die Gründer nun den Betrieb übergeben. Als klar war, dass keine „Familienlösung“ in Frage kommt, haben die Gründer und einige leitende Mitarbeitende einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Weg gewählt: eine Genossenschaft. Im Herbst 2025 wurde die Piluweri eG gegründet. Kundinnen und Kunden sowie alle, denen die Biolandwirtschaft am Herzen liegt, sollen die Gärtnerei in Zukunft tragen – langfristig, gemeinschaftlich und mit Freude am Gestalten.

Fragen an Horst Ritter (Gründer & Geschäftsführer), Judith Muschiol (Vorstandsmitglied der eG) und Michael Meuser (Vorstandsmitglied der eG)

Horst Ritter

Sie haben Piluweri mitgegründet. Was macht die Gärtnerei für Sie so besonders?

Menschen aus der ganzen Welt leben hier ihre Leidenschaft für den Gemüsebau. Die Vielfalt, die wir auf unseren Feldern pflegen, gibt es in dieser Form nicht mehr oft. Uns ist diese Vielfalt sehr wichtig: um unsere Böden fruchtbar zu halten, für den Erhalt der Biodiversität – und natürlich auch für die Menschen. Sie können bei uns das ganze Jahr über gesundes Gemüse und Kräuter beziehen.
Unser Gemüse legt auf dem Weg zu den Konsumenten sehr kurze Wege zurück. Da kann kein Supermarkt mithalten. Unser Lieferservice ist ökologisch sinnvoll und natürlich auch wirtschaftlich ein Vorteil. Und er macht die Nahversorgung hier in der Region unabhängiger. Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, dass Gemüse über Hunderte von Kilometern transportiert wird. Eigentlich ein Irrsinn. Für die Erzeugung unserer hochwertigen Produkte betreiben wir einen hohen Aufwand. Alle unsere Jungpflanzen ziehen wir selbst groß. Wir stellen unseren eigenen Kompost her. Unsere Bodenbearbeitung ohne Pflug und ohne Chemie bedeutet: Beikraut von Hand jäten und mit der Hacke in Schach halten. Außerdem geben wir unser Wissen an junge Menschen weiter. Seit der Gründung haben mehrere Dutzend Auszubildende ihre Gärtnerausbildung bei uns abgeschlossen.

Judith Muschiol

Eine Besonderheit der Gärtnerei ist die eigene Jungpflanzenanzucht. Weshalb legt Piluweri darauf so großen Wert?

Die eigene Jungpflanzenanzucht gehört zu den Wurzeln von Piluweri. Sie gibt uns die Freiheit, jedes Jahr neu zu entscheiden, welche Gemüsesorten wir anbauen wollen und wann wir welche Kulturen in den Boden setzen. Bei der Wahl unserer Sorten verwenden wir wo möglich, aber nicht ausschließlich samenfeste Sorten. Das heißt, wir säen die Samen der Vorjahresernte wieder aus. Samenfeste Sorten sind auch die Voraussetzung für unsere Züchtungsarbeit. In den vergangenen 30 Jahren sind bei Piluweri 13 Gemüsesorten gezüchtet worden: Salate, verschiedene Tomaten, die Möhre „Milan“ – als Beispiel. Unsere Sorten werden deutschlandweit im Bioanbau eingesetzt. Darauf sind wir natürlich auch ein bisschen stolz.

Michael Meuser

Beim Stichwort Genossenschaft denkt man eher an Banken und Weinbau. Wie gut passen Gärtnerei und Genossenschaft zusammen?

Sehr gut! Genossenschaften erleben gerade eine Renaissance. Sie sind krisenfest, transparent und demokratisch. Jedes Mitglied hat eine Stimme. Das macht diese Rechtsform auch für landwirtschaftliche Betriebe attraktiv. Und sogar für den Profisport. Der FC St. Pauli hat eine Genossenschaft gegründet, die schon eine Warteliste für Interessierte führt. Ich würde mich freuen, wenn wir dieses Problem auch noch bekommen. (lacht) … Der Start war jedenfalls ermutigend: Wir haben inzwischen mehr als 340 Mitglieder, die im Schnitt Anteile für mehr als 1.000 EUR gezeichnet haben.
Das ist doppelt so viel wie die Mindesteinlage. Damit sich die Piluweri eG gut entwickeln kann, braucht es allerdings noch mehr Menschen, die sich mit uns für das Gemeinwohl und ein enkeltaugliches Ernährungssystem einsetzen.

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Veranstaltungen

Sommerfest am 4. Juli

Die Gärtnerei feiert ihr 30-Jahr-Jubiläum mit einem großen Sommerfest. Eingeladen sind Kundinnen und Kunden, Mitglieder, Freunde und Geschäftspartner. Weitere Gäste sind willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Hofverkauf und Lieferservice

Dreimal in der Woche ist der Hofverkauf in Hügelheim geöffnet: dienstags und freitags von 16.00 – 18.30 Uhr, samstags von 9.00 – 13.00 Uhr.
Mit der Biokiste versorgt Piluweri jede Woche rund 1.300 Privathaushalte und Büros. Das Liefergebiet reicht von Emmendingen/Waldkirch entlang der Rheinebene und den angrenzenden Schwarzwaldtälern bis Lörrach. Die Kiste ist kein Abonnement, sondern wird ganz flexibel geliefert.

Führungen und Workshops

Für Schulklassen und Kindergärten bietet die Gärtnerei auf Kinder zugeschnittene Führungen an. Erwachsene können sich ab einer Gruppengröße von zehn Personen zu Führung anmelden. Alle Teilnehmenden dürfen selbstverständlich Gemüse verkosten und je nach Saison auch selbst ernten. Gartenfreundinnen und Selbstversorger können ihr Wissen bei Workshops vertiefen. Alle Infos zu Terminen und Führungen gibt‘s hier:

Kontakt

Piluweri eG
Am Stockacker 1
79379 Hügelheim

Hofverkauf

DI/FR, 16.00 – 18.30 Uhr
SA, 9.00 – 13.00 Uhr

piluweri.de

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